#Laschetlacht

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Hashtags sind eine effiziente Methode der Verschlagwortung von Debatten auf Twitter – und manchmal dreht sich sogar die mediale Berichtserstattung um besonders pointierte Hashtags. Ein Beispiel dafür war #Laschetlacht: Der CDU-Kanzlerkandidat hatte in Erftstadt, das von der Hochwasser-Katastrophe besonders getroffen war, am 14. Juli 2021 im Hintergrund sichtbar gelacht und gescherzt, während im Vordergrund Bundespräsident Steinmeier eine Pressekonferenz gab.

Die Dynamik des Hashtags #Laschetlacht zeigt typische Muster eines viralen Twitter-Trends: Es geht dabei nicht nur um Popularität (viele Likes und Retweets), sondern auch um eine schnelle Verbreitungsdynamik, die aber auch schnell wieder abebbt, statt sich weiter kontinuierlich auszudehnen. So wurde #Laschetlacht innerhalb von drei Tagen in zunächst drei Tweets, dann 17.500 und 31.000 deutschsprachigen Tweets verwendet, spielte aber schon drei Tage später kaum noch eine Rolle.

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Quelle: brandwatch.com

Solche viralen Dynamiken sind oft, wie auch in diesem Fall, mit konkreten Events und Medienberichterstattung verbunden. Entsprechend sind 38 der 100 meistgeteilten Webseiten (URLs) in den Tweets mit #Laschetlacht Online-Artikel von Tageszeitungen (BILD.de, sueddeutsche.de, tagesspiegel.de, rp-online.de und mehr) oder Rundfunkanbietern (z.B. deutschlandfunk.de).

Hinzu kommt eine hohe Emotionalisierung – emotionale Tweets werden tendenziell mehr beachtet und geteilt als Tweets, die neutrale Informationen enthalten. Wir sehen hier auch einen Fall von Empörungsdynamik, der die öffentliche Debatte jenseits von Twitter – in Zeitungen, im Fernsehen, widerspiegelt. Emotionen werden dabei nicht nur im Text selbst, sondern auch über Emojis ausgedrückt – auf vielfältige Art und Weise. Dies verdeutlicht, dass eine fundierte Analyse von Emotionen und Inhalten sehr komplex ist – Tweets sind oft nicht eindeutig positiv oder negativ, sondern ironisch, sarkastisch, lakonisch und (sub-) kulturell kodifiziert.

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(Emojis in Tweets zu #Laschetlacht, Größe nach Häufigkeit; Quelle: brandwatch.com)

Typisch ist auch, dass die Dynamik von #Laschetlacht von besonders aktiven Twitter-Nutzer:innen getrieben wird. Im Zeitraum vom 15.7. bis 23.7. produzierten insgesamt 25.000 Nutzer:innen (unique authors) rund 58.000 Tweets. Die aktivsten 100 Nutzerinnen davon posteten alleine rund 5.600 Tweets – das heißt, dass 0,4 Prozent der Nutzer:innen rund 10 Prozent der Tweets mit dem Hashtag #Laschetlacht posteten, im Durchschnitt jeweils 56 Tweets. Allein die zehn aktivsten Nutzer:innen (0,04 Prozent) versendeten 1.620 Tweets, jeweils durchschnittlich also 160 Tweets mit diesem Hashtag.

In den Tweets, die sich am weitesten verbreiteten ging es interessanterweise gar nicht um Armin Laschet, sondern um den Mann, der neben ihm stand und mit ihm lachte – wie etwa dieser Tweet von abgeordenetenwatch.de.

Er wurde unter anderem von Fernsehmoderator Jan Böhmermann geteilt, was erheblich zu seiner Verbreitung beigetragen habe dürfte. Der Link zum Artikel von abgeordnetenwatch.de über Gregor Golland wurde im Zeitraum 2.349mal geteilt.

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