Zur Landtagswahl in MV: Parteien und Kandidat:innen in den sozialen Medien. Ein Überblick

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Am 26. September 2021 wird zeitgleich mit der Bundestagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Wir werfen einen Blick auf die Social-Media-Präsenzen der Parteien im Netz: Welche Parteien mobilisieren auf welchen Plattformen? Welche Kandidat:innen sind besonders aktiv und wer hat die größte Reichweite? Welche Plattformen sind bei den Jugendorganisationen am beliebtesten?

Von Friederike Schneider, Europa-Universität Viadrina

Zusätzlich zum grundlegenden Trend gewinnt der Online-Wahlkampf in den sozialen Netzwerken unter den Bedingungen der Pandemie an Bedeutung.1 Auch in dem mit 1,6 Millionen Einwohnern bevölkerungsmäßig drittkleinsten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern werben die Parteien mehr im Netz denn je. Auf welchen der bekanntesten Plattformen sind die Parteien und Kandidat:innen vertreten, wie nutzen sie diese und wie groß ist ihr Publikum dort?2

Die Landtagsfraktionen auf Facebook, Instagram und Twitter

Die bereits im Landtag vertretenen Fraktionen von SPD, AfD, CDU und DIE LINKE unterhalten jeweils eine Präsenz auf Facebook, Instagram und Twitter, wobei alle Fraktionen auf der ältesten Plattform Facebook die meisten Abonnent:innen verzeichnen. Die Fraktion der AfD besitzt auf allen drei Plattformen die höchste Anzahl an Nutzer:innen, die dem Profil folgen. Vor allem auf Facebook übersteigt die Reichweite des Accounts der AfD-Landesfraktion Mecklenburg-Vorpommern mit 16.439 Abonnent:innen die der anderen Fraktionen um ein Vielfaches. Während sich die anderen drei Fraktionen hinsichtlich ihrer Followerzahlen auf Instagram die Waage halten, punktet im Vergleich die CDU-Fraktion auf Facebook, die SPD-Fraktion dafür auf Twitter. Hier hat die Fraktionsseite der CDU mit 458 am wenigsten Follower.

Die Landesverbände auf Facebook, Instagram und Twitter

Bei den Online-Präsenzen der Landesverbände – also der Landesebene der Parteien – ergibt sich ein ähnliches Bild. Zunächst sticht ebenfalls das Profil des AfD-Landesverbandes auf Facebook heraus, das mit 22.296 mit Abstand die meisten Follower anzeigt. DIE LINKE führt mit 7.008 Facebook-Followern die übrigen Landesverbände an, der SPD-Landesverband liegt auf allen Plattformen vor dem der CDU. Auf Instagram liegen SPD und FDP vorn, die AfD hat hier die wenigsten Abonnent:innen. Der Landesverband der Grünen hat einen Schwerpunkt auf Twitter und Facebook und ist dort mit jeweils etwa 3000 Followern vertreten.

Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen offiziell registrierten Mitgliedern im Landesverband und Followern auf Facebook bei CDU und AfD. Während die CDU mit 5065 insgesamt die meisten Parteimitglieder verzeichnet, folgen dem Landesverband im Vergleich die wenigsten Nutzer:innen auf Facebook. Beim Landesverband der AfD sieht es umgekehrt aus: den wenigsten analogen Parteimitgliedern stehen die meisten Online-Follower gegenüber.

Welche Plattformen nutzen die Jugendorganisationen?

Den Jugendorganisationen der Landesverbände in Mecklenburg-Vorpommern folgen ebenfalls auf Facebook die meisten Nutzer:innen. Hier haben die Jungsozialisten die meisten Abonnent:innen, gefolgt von der Jungen Alternative, der Linksjugend ’solid, der Jungen Union und den Jungen Liberalen. Instagram spielt bei allen außer der Linksjugend und den Jungen Freien Wählern, die hier nicht vertreten sind, eine geringere Rolle, nur die Junge Union hat mehr Follower auf Twitter.

Wo mobilisieren die kleineren Parteien?

Die weiteren Parteien der Landesliste sind nur zum Teil auf den bekannten Plattformen vertreten. Einige haben als Lokalparteien keine Landesverbände, wie die Freiparlamentarische Allianz oder FREiER HORIZONT. Wieder ist Facebook die am meisten genutzte Plattform gegenüber Instagram und Twitter, wo die wenigsten Parteien aktiv sind.

Wie aktiv sind die Spitzenkandidat:innen?

Bei den Spitzenkandidat:innen liegt die derzeitige Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) auf allen Kanälen weit vorn und übersteigt auch die Reichweite des AfD Landesverbandes um mehr als das Doppelte. Ihre Bekanntheit und Bonus als Amtsinhaberin dürften dabei ausschlaggebend sein. Die Zahl ihrer Abonnent:innen auf Facebook und Instagram übersteigt die der anderen Kandidat:innen um den Faktor 10 und mehr. Auf Twitter ist der Abstand am größten, wobei diese Plattform von Michael Sack (CDU) und Nikolaus Kramer (AfD) gar nicht genutzt wird. Von den insgesamt 275 zur Wahl stehenden Direktkandidat:innen haben nur 87, also rund 32% eine öffentliche Profilseite als Politiker:in auf Facebook.3

Ebenso wie die Zahl der Abonnent:innen liegt auch die Aktivität der Spitzenkandidat:innen teils weit auseinander. Von der Gesamtzahl an Beiträgen in den letzten 12 Monaten entfallen rund 34% auf Manuela Schwesig (SPD) und 28% auf Nikolaus Kramer (AfD); 19,5% auf Michael Sack (CDU) und 12% auf Simone Oldenburg (DIE LINKE). René Domke (FDP) und Anne Shepley (GRÜNE) posteten mit 3,5% beziehungsweise 2,5% einen sehr kleinen Teil der Beiträge. Ein entscheidender Faktor ist schließlich die Reichweite und Einbindung der Nutzer:innen, die sich in den Gesamtinteraktionen durch Reaktionen wie Likes und Emojis, in Kommentaren und geteilten Beiträgen widerspiegeln. Während Manuela Schwesig am häufigsten eigene Videos einstellt und andere Videos teilt, ist die Interaktionsrate ihrer Abonnent:innen – d.h. die Anzahl an Reaktionen je Posting im Verhältnis zur Anzahl an Followern – mit 1,16% die niedrigste im Vergleich. Hier liegt die Rate des kleineren, aber aktiveren Publikums von Anne Shepley mit 3,39% und Nikolaus Kramer mit 2,98% deutlich höher.

Die Online-Präsenzen der Parteienverbände und Spitzenkandidat:innen verteilen sich unterschiedlich auf die betrachteten Plattformen, wobei auf Facebook deutlich die meisten Profile und Abonnent:innen vertreten sind. Die Followerzahl ist allerdings nicht allein entscheidend für Reichweite und Aktivität, wie die Zahl der Gesamtbeiträge und die Interaktionsrate zeigt. Sie spiegelt außerdem nicht unbedingt die Größenordnung der analog organisierten Parteimitglieder wider. Da die Aktivität und Resonanz der Kandidierenden schwankt und sich schnell ändern kann, spielen ihre Profile im Hinblick auf die letzten Wochen vor der Wahl eine wichtige Rolle.


  1. https://www.lpb-bw.de/wahlkampf-digital↩︎

  2. Erhebungszeitraum: 23. bis 27. August 2021↩︎

  3. Datenquelle: https://www.abgeordnetenwatch.de/mecklenburg-vorpommern/kandidierendeergänzt durch eigene Recherche↩︎

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