Das zweite TV-Triell auf Twitter

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Am Sonntag trafen die drei Kanzlerkandidat:innen zum zweiten Mal aufeinander. 90 Minuten lang schilderten sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wie sie das Land regieren würden. Wie reagierten die Nutzer:innen auf Twitter? Wer bekam besonders viel Aufmerksamkeit und welche Themen standen dabei im Mittelpunkt?

Shanti Walde (@shanti_walde), European New School of Digital Studies (ENS)

Das zweite TV-Triell wurde intensiv auf Twitter kommentiert. Zwischen Sonntag 18:00 Uhr und Montag 12:00 Uhr beteiligten sich 47.570 Nutzer:innen an der Debatte. Rund um die Sendung wurden insgesamt 54.640 originale Tweets verfasst, in denen der Hashtag #Triell vorkam. Zählt man alle Kommentare und Retweets dazu, steigt die Zahl auf 184.630 Beiträge. Das sind 30.000 mehr als beim ersten TV-Triell (154.740 Beiträge).1

Geht man nach den Top-3 Tweets (nach Anzahl der Likes und Kommentare), erntet auch diesmal Armin Laschet Spott, Annalena Baerbock wird in Schutz genommen, Olaf Scholz wird gar nicht erwähnt.

Wie häufig wurden die Kanzlerkandidat:innen jeweils in den Tweets zum TV-Triell erwähnt? Wie schon beim ersten TV-Triell vom 29. August drehte sich auch diesmal die große Mehrheit der Tweets um Armin Laschet. Mit 500 Tweets mehr als Ende August besetzt er somit Platz 1 im Ranking der Twitter-Aufmerksamkeit. Mit knapp 8.000 Beiträgen mehr als beim letzten Triell sichert sich Annalena Baerbock den 2. Platz. Olaf Scholz bekam auch diesmal das geringste Maß an Aufmerksamkeit und landet somit auf Platz 3.

In welchem Zusammenhang werden die Kanzlerkandidat:innen erwähnt? So wie bei unserer Analyse zum ersten TV-Triell haben wir erneut eine Kookkurrenz-Analyse durchgeführt. Die Wortwolken zeigen, wie oft einzelne Wörter im Zusammenhang mit den jeweiligen Namen der Kanzlerkandidat:innen erwähnt wurden.

Besonders auffällig in der Wortwolke zu Armin Laschet ist der Name des ehemaligen Verfassungsschutzchefs Hans-Georg Maaßen. Neben den Parteikürzeln ist der Eigenname „Maaßen" mit 4.001 Erwähnungen das am häufigsten benutzte Schlagwort. Schaut man sich die Tweets, in denen der Namen fällt, genauer an, erkennt man, dass es sich dabei primär um Kritik gegenüber Laschets unklarer Positionierung gegenüber dem umstrittenen CDU-Mitglied und Bundestagskandidaten handelt. Der Tweet des FAZ-Journalisten Philip Plickert wurde in diesem Kontext am häufigsten geteilt.

Auch der Begriff „Klimaschutz" fiel in Laschets Wortwolke bemerkenswert oft. Mit 3.960 Nennungen steht er an zweiter Stelle. Die meisten Retweets zu dem Thema bekam der Klimaexperte Volker Quaschning. In seinem Tweet kritisiert er die Klimapolitik von CDU und SPD.

In der Wortwolke zu Annalena Baerbock stechen zwei Begriffe besonders heraus: „Umfrage" und „Kompetent“. Der Begriff „Umfrage” wurde 4.452 erwähnt und steht somit nach den Parteikürzeln an erster Stelle. Schaut man sich die zwei meist geteilten Tweets mit diesem Schlagwort an, so enthüllt sich eine kontroverse und vielschichtige Debatte: Im ersten Tweet wird Verwunderung über das schlechte Abschneiden von Baerbock in den Umfragen geäußert; im Tweet des stellvertretenden Chefredakteurs der BILD-Zeitung erntet Baerbock blanken Spott.

„Kompetent", der andere zentrale Begriff, wurde mit 3.947 Erwähnungen etwas weniger oft genutzt. Er bezieht sich auf eine Umfrage nach dem Triell, die Annalena Baerbock zwar als sympathischste, jedoch auch als am wenigsten kompetenteste Kandidat:in sieht.1 Der Tweet des SPIEGEL Journalisten Mathieu von Rohr fängt diesen Gegensatz ein:

Das Wort „Sexismus" fiel ebenso oft. Der Großteil der 3.822 Erwähnungen, in denen es um Sexismus ging, thematisierte auch das Ergebnis der zuvor genannten Umfrage. Es wurde sowohl Zustimmung als auch Ablehnung gegenüber den Ergebnissen der Umfrage geäußert. Auch der meist geteilte Tweet zu diesem Thema vereint beides.

Im Zusammenhang mit Olaf Scholz fiel das Schlagwort „Klimaschutz" mit 2.456 Erwähnungen besonders oft. Der zuvor erwähnte Tweet von Volker Quaschning ist auch hier der meist geteilte Beitrag. Mit sehr großem Abstand folgen die Schlagwörter „Zukunft" (1.373, Erwähnungen) und „Wirecard" (1.363 Erwähnungen). Ein Tweet des AfD EU-Politikers Bernhard Zimniok erntete dabei besonders viele Retweets.

Fazit:

Es lässt sich festhalten: Die Debatte auf Twitter konzentrierte sich stark auf Armin Laschet und Annalena Baerbock. Laschet erntete vorwiegend Spott und Kritik wegen seiner fehlenden Distanzierung von Hans-Georg Maaßen. In der Debatte um Annalena Baerbock spielten Sexismus und Glaubwürdigkeit eine große Rolle. Olaf Scholz wurde vergleichsweise wenig erwähnt – wie im gesamten bisherigen Wahlkampf.

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