Wer führt den Wahlkampf auf Social Media an? Ein Überblick über die Aktivitäten der Parteien zur Berlin-Wahl.

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In Berlin befindet sich nicht nur der Wahlkampf zur Bundestagswahl in der heißen Phase, die Parteien werben außerdem um Stimmen bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus und den Bezirksverordnetenversammlungen. Wir werfen einen Blick darauf, wie die Parteien und ihre Spitzenkandidat:innen im Online-Wahlkampf performen.

Von Clara Baldus (@clara_baldus), European New School of Digital Studies

Laut einer Studie des Hans-Bredow-Instituts1 nutzen allein Facebook 44 % der Bevölkerung in Deutschland. Das ist fast jede:r zweite Deutsche. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass auch politische Akteure sich dieser Plattformen bedienen, um ihre Anliegen zu verbreiten. Im Wahlkampf zur Berlin-Wahl analysieren wir folgende Fragen: Wie aktiv sind die Parteien und ihre Spitzenkandidat:innen im Vergleich? Wer hat die größte Reichweite? Und welche Medien nutzen sie primär? Dabei beobachten wir Facebook, Twitter und Instagram.

Wer hat die meisten Follower?

Betrachten wir zunächst, welche Accounts die meisten Follower haben, zeichnet sich ein unterschiedliches Bild für die verschiedenen Plattformen. Die Zielgruppe der AfD scheint sich am meisten auf Facebook zu bewegen, mit über 30.000 Followern ist die Partei den anderen voraus. Diesen Vorsprung kann die AfD auf Twitter und Instagram jedoch nicht halten, wo stattdessen DIE LINKE, SPD und Bündnis 90/Die Grünen die meisten Follower haben. CDU und FDP zählen auf allen drei Plattformen die geringste Anzahl an Followern.2

Bei den Spitzenkandidat:innen zeigen sich deutliche Unterschiede. Die Kandidatin der SPD, Franziska Giffey, scheint den größten Bekanntheitsgrad auf Facebook und Instagram zu genießen. Auf Twitter allerdings zeigen sich andere Verhältnisse. Hier folgen Giffey die wenigsten User, währenddessen sich Klaus Lederer, Kandidat der Linken, mit einer großen Followerschaft hervorhebt.

Wer postet wie viel?

Im zeitlichen Verlauf auf Facebook zeigt sich, dass die CDU und SPD am aktivsten sind, die AfD steht an dritter Stelle.3 Die FDP hingegen postet nur wenig auf Facebook. Die Aktivitäten der einzelnen Parteien scheinen nicht gleichsam zu verlaufen, dennoch lässt sich erkennen, dass in den letzten Wochen ab August alle Parteien ihre Facebook-Aktivität nochmal intensiviert haben.

Auch auf Instagram und Twitter ist die Berliner FDP am wenigsten aktiv. Während auf Instagram die CDU und SPD besonders aktiv sind, teilt DIE LINKE ihre Inhalte am meisten auf Twitter. Insgesamt posten die Parteien auf Twitter deutlich mehr als auf Facebook und Instagram.

Unter den Kandidat:innen ist Franziska Giffey auf Facebook am aktivsten. Auch Klaus Lederer (DIE LINKE) und Kai Wegner (CDU) posten relativ aktiv auf Facebook. Die Aktivitätskurven der Kandidat:innen sind zwar nicht deckungsgleich mit denen der Partei-Accounts, dennoch lassen sich Parallelen in Verlauf und Aktivität erkennen.

Ebenfalls auf Instagram führt die Kandidatin der Berliner SPD den Wahlkampf an mit 319 Postings im untersuchten Zeitraum an. An zweiter und dritter Stelle stehen wie auf Facebook Kai Wegner und Klaus Lederer. Auf Twitter gestaltet sich die Wahlkampfperformanz anders, hier liegt der Kandidat der Linken mit insgesamt 1999 Tweets weit vorne, gefolgt von Bettina Jarasch mit 403 und Franziska Giffey mit 398 Posts. Das Schlusslicht auf allen drei Plattformen bildet Kristin Brinker der AfD Berlin.

Wessen Inhalte erzeugen Resonanz?

Neben der Anzahl an Postings ist von Bedeutung, welche Reaktionen diese hervorrufen und wie oft sie von anderen geteilt werden. Die Interaktionsrate auf Facebook berechnet sich daraus, wie oft ein Beitrag geteilt wurde und aus der jeweiligen Anzahl an Kommentaren und Reaktionen (Likes sowie “Angry”-, “Haha”-, “Wow”-, “Sad”- und “Love”-Reaktionen). Die Reaktionsraten sind nicht parallel zu den Posting-Aktivitäten. So rufen die Posts der Berliner AfD die allermeisten Reaktionen hervor, obwohl diese nur am dritthäufigsten postet. Auf die SPD, welche unter den Berliner Parteien auf Facebook am aktivsten ist, entfallen im Vergleich nur wenige Reaktionen.

Auf Twitter sind Retweets ein übliches Phänomen, von welchem allem voran die AfD zu profitieren scheint. Dies zeigt sich, wenn man von allen sechs Parteien die 20 Tweets mit den meisten Retweets betrachtet. Knapp vor der AfD wurde zwar ein Tweet der SPD am häufigsten geteilt, jedoch dominiert die AfD bei den Retweets. Von den 20 meist geteilten Tweets aller Parteien sind 15 der AfD zuzuordnen. So steigert sich trotz der vergleichsweise geringen Anzahl an Tweets die Reichweite.

Wie verhalten sich die kleinen Parteien?

Die kleineren Parteien stehen im Schatten der bereits im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien. Über sie wird medial wenig berichtet. Doch wie sieht es in den sozialen Medien aus?

Von den insgesamt 34 Parteien, die bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus antreten, tun sich einzelne Kleinparteien hervor, die bei der Wahlkampfaktivität auf Social Media mit den Großen mithalten können. Auch für die kleinen Parteien zeichnet sich ein unterschiedliches Bild auf verschiedenen Plattformen. Die fünf Parteien, die auf Facebook am aktivsten sind, spielen auf Twitter und Instagram kaum eine Rolle. Bis auf die Klimaliste, Volt und die Piratenpartei gibt es keine Überschneidungen in den Top-5 Platzierungen auf den Plattformen. Auf Facebook sticht die NPD mit einer vergleichsweise hohen Anzahl an Postings heraus. Mit über 300 in dem untersuchten Zeitraum ist die Anzahl mehr als doppelt so hoch wie die der anderen. Auf Twitter hingegen ist die Klimaliste besonders aktiv. Mit ca. 1960 veröffentlichten Tweets liegt sie weit vor der zweitplatzierten Piratenpartei, die in dem Zeitraum ca. 460 Mal twitterte. Auch auf Instagram liegt die Klimaliste an zweiter Stelle weit oben mit ihrer Postingaktivität.

Im Vergleich zu den großen Parteien lässt sich also nicht sagen, dass diese die Kleinparteien im Online-Wahlkampf gänzlich hinter sich zurücklassen. Einzelne der 28 kleineren Parteien übertreffen diese sogar. So ist z.B. die Klimaliste auf Twitter aktiver als DIE LINKE und auf Facebook postet die NPD mehr als SPD und CDU. Auf allen drei Plattformen sind die Postingaktivitäten der kleineren Parteien teils vergleichbar mit den etablierten Parteien. Dennoch fällt natürlich ins Gewicht, dass die größeren Parteien deutlich mehr Follower haben und deren Postings somit mehr Menschen erreichen.

Fazit

Die sozialen Medien fungieren im Wahlkampf zur Berlin-Wahl als wichtige Plattform, auf der die Parteien ihre Inhalte verbreiten und ihre Reichweite vergrößern möchten. Dabei sind die Intensitäten und Aktivitäten der Berliner Parteien und Spitzenkandidat:innen durchmischt und variieren je nach Plattform. Jedoch lassen sich einige Trends erkennen: Die hohe Zustimmung zur Berliner SPD in aktuellen Umfragen4 spiegelt sich in der hohen Anzahl an Posts der Partei auf allen drei Plattformen und dem großen Bekanntheitsgrad ihrer Spitzenkandidatin wider. Während die CDU vorwiegend über Facebook und Instagram versucht ihre potentielle Wählerschaft zu erreichen, ist DIE LINKE auf Twitter besonders aktiv. Interessanterweise ruft die AfD, welche vergleichsweise wenig postet, mit Abstand die meisten Reaktionen hervor. Die FDP hingegen ist in den sozialen Medien auffallend gering aktiv. Bündnis 90/Die Grünen liegen mit ihrer Frequenz an Postings im unteren Mittelfeld, zählen zugleich auf Instagram viele Interaktionen. Setzt man zuletzt die Präsenz der Kleinparteien auf sozialen Medien in Relation, kristallisieren sich einzelne heraus, deren Aktivitäten mit denen der großen Parteien mithalten können und diese teilweise sogar übertreffen.


  1. Hölig, Sascha; Hasebrink, Uwe; Behre, Julia (2021): Reuters Institute Digital News Report 2021 – Ergebnisse für Deutschland. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut.↩︎

  2. Der Berliner Landesverband der AfD unterhält keinen offiziellen Instagram-Account und ist somit nicht in der Grafik aufgeführt.↩︎

  3. Für alle Partei-Analysen wurden jeweils die Accounts der Berliner Landesverbände betrachtet.↩︎

  4. Siehe: infratest-dimap.de↩︎

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